19.05.2013 – Vor 500 Tagen

Cover - Kindle-VersionFreunde in der Schreibwerkstatt Kempen haben mich gestern Abend darauf aufmerksam gemacht: 500 Tage ist es her seit ich mein erstes Buchmanuskript fertiggestelt und dort vorgestellt habe.

Seltsam! Ich habe eher das Gefühl, es sei schon Jahre her. Ich kann mich an diesen Tag nicht mehr wirklich erinnern, weiß ihn nur, weil er im Kalender markiert ist.

Warum das so ist? Ganz einfach!

Als unabhängiger Autor ist man tagein tagaus mit seinem Buch beschäftigt; selbst bzw. vor allem wenn das Manuskript fertig und das Buch gedruckt ist. Da gilt es, Aufträge für Lesungen zu bekommen, Anfragen nach Rezensionsexemplaren zu erfüllen (und muss dabei immer wieder feststellen zu müssen, dass es viele Abzocker gibt) oder auch Leserfragen zu beantworten, wobei gerade die Leseranfrage die Sahne im Autorenalltag sind.
Und ganz nebenbei gibt es, anders als bei Verlagsautoren, halt niemanden der einem beim Verkauf des Buches hilft. Denn entgegen mannigfachen Gerüchten aus dem Internet, verkaufen sich weder gedruckte Bücher noch E-Books von alleine!
GRINS
Hatte ich erwähnt, dass ich, wie sicher fast alle unabhängigen Autoren, tatsächlich noch einer geregelten Arbeit nachgehen muss, um meinen Lebensunterhalt zu sichern?
GRINS

Ob Kontakte mit Zeitungen, die zwar Anzeigenverkauf forsch aber bei der Berichterstattung zurückhaltend sind, oder Gespräche mit Buchhandlungen: Alles kostet unheimlich viel Zeit und entwickelt sich extrem schleppend.
Wer hätte gedacht, dass es oft Monate dauert, nur eine Antwort auf eine Lesungsanfrage zu bekommen oder zu erfahren, dass eine Tageszeitung sich zwar für das Rezensionsexemplar bedankt aber “trotz der erörternswerten Thematik derzeit auf die Besprechung eine Buches von unabhängigen Autoren verzichten muss”?

Ohnehin spannend ist das Thema Lesungen:

a) Die Resonanz durch Zuhörer ist stark unterschiedlich. Ob das vielleicht mit den begrenzten Möglichkeiten der Werbung zusammenhängt? Ich bin mir nicht sicher. Denn egal ob wenige Hörer oder eine gut besuchte Runde, die Diskussionen im Anschluss an die Lesungen sind immer lebendig, spannend und regen mich immer wieder zu neuen Texten und Schreibprojekten an (z.B. http://www.bernd-niklas.de/wp/was-ist-der-wert-eines-lebens)

b) Rückmeldungen potentieller Veranstalter nach Anfragen sind ebenfalls “überraschend”. Ok, weder ist jede Lesung ein Zuschauermagnet noch eignet sich jede Lesung für jeden Veranstaltungsort. Allerdings muss ich leider all zu oft zur Kenntnis nehmen, dass man als Kulturschaffender zum Bittsteller wird und in eine “kostenlos-Ecke” gedrängt wird. Ob kostenlose Lesungen, die Bitte um Buchspenden oder die Anfrage, ob man selber Personal mitbringt. Welche Überraschung kann es och geben?
Manchmal frage ich mich, was sich Menschen so über Autoren denken und bin damit längst nicht der Einzige. Es gibt in den Medien, auf Austellungen und im Internet viele Berichte und Aktionen die auf dieses wirklichkeitsferne Erwartungsbild der Kostenlos-Mentalität aufmerksam machen (z.B. http://www.rp-online.de/nrw/staedte/krefeld/protestbrief-kuenstlerin-gegen-kunstspenden-aid-1.4191744).

Das klingt jetzt alles negativ? Sollte es nicht!

Es soll nur einen kleinen Eindruck von der Realität wiedergeben, wie sie sich den meisten unabhängigen Autoren darstellt.

Das Schreiben und alles was sich sonst um die eigenen Bücher dreht, macht mir Spaß!
Deshalb versuche ich mein Motto “Lesen ist Silber, Schreiben ist Gold” immer stärker im den Mittelpunkt meines Leben zu bringen. Das ist allerdings, wie gesagt, als unabhängiger Autor aber gar nicht so einfach.

Motivierend sind die Termine anstehender Lesungen und die Arbeit am nächste Roman-Projekt.

Angeregt durch Vorfälle der Tierquälerei hier in der Region will ich einen Spannungsroman hierzu schreiben. Die Recherchen sind abgeschlossen, der Plot steht und die ersten Kapitel wurden bereits an einigen Freiwilligen getestet.

Sie sehen, es ist kein Wunder, dass für mich 500 Tage wie eine Ewigkeit erscheinen.